... da muss man doch mal 2-3 Monate überbrücken können, und für so etwas bildet jeder verantwortungsvolle Unternehmer Rücklagen, aber bei uns wird gejammert, dass man nach 3 Wochen pleite ist. Wenn ich meinen Leuten nach 3 oder 4 Wochen die Pleite verkünden müsste, würde ich mich in Grund und Boden schämen. So, das musste ich mal loswerden.
Eventuell hätte ich vor 5-6 Jahren noch ins gleiche Horn geblasen, aber habe leider selbst erlebt wie schnell es gehen kann.
In meinem Gewerbe haben ca. 2/3 aller Betriebe mit 1-19 Mitarbeiter in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden müssen!
Ein Grund sicher die Onlinedruckereien gegen welche man preislich nicht konkurrieren kann. Das Elektro-Fachgeschäft um die Ecke kann eben auch nicht die Preise von Saturn mitgehen.
So haben sich einige entweder auf ein Nischenprodukt konzentriert oder es versucht mit Service und know how in die nächste Runde zu schaffen.
Ich hatte einen Großkunden welcher Formulare für den Kranken- und Pflegedienst vertreibt. Die Ausführung mit Tabenstanzung in Millionenauflage ließ sich nicht mal eben an jeder Ecke einkaufen. Mein Nischenprodukt.
Das "schlimme" an einer solchen Konstellation, man macht sich von einem Kunden abhängig, alle anderen sind nur noch ein nettes Zubrot.
Nun trat vor gut 4 Jahren der worst case ein, der Kunde hatte eine App entwickelt welche die Papierform überflüssig machte. Alle großen Häuser haben sehr schnell auf die elektronische Variante umgestellt, die kleineren dann nach und nach.
Binnen 2 Jahren sind die Auflagen um 80% eingebrochen.
Natürlich habe ich versucht anderweitig Aufträge und Kunden zu akquirieren, aber wie gesagt, im "normalen" Geschäft ist man einfach nicht konkurrenzfähig und Nischenprodukte sind äußerst rar.
Habe versucht meine Mitarbeiter so lange wie möglich zu halten, in der Hoffnung das es schon wieder aufwärts geht, war rückblickend ein Fehler, hätte sie gleich entlassen müssen, aber so hat dieser Versuch eine gewisse Zeit zu überbrücken die ganzen Reserven aufgezehrt.
Seit her betreibe ich den Laden als 1-Mann Betrieb weiter und lebe von der Hand in den Mund.
Daran finde ich auch nichts verwerfliches, der Kundenstamm der mir geblieben ist ernährt mich und meine Familie, für eine kaputte Waschmaschine, die Klassenfahrt und dergleichen hat es noch immer gereicht, die Leasingraten der Maschinen können bedient werden, auch wenn großartige Rücklagen nicht mehr zu bilden sind, der Laden ist "gesund".
Und ich finde es absolut vermessen sich darüber zu monieren das es Kleinunternehmer gibt welche von der Hand in den Mund leben.
Wie viele 1-Mann Buden gibt es, wie viele Handwerksbetiebe mit 1-2 Mitarbeitern, kleine Geschäfte und Boutiquen in der Fußgängerzone welche froh sind wenn die Leute sich nicht nur ein Teil vorher mal anschauen wollen bevor sie es bei Amazon bestellen, ein Parfüm testen wollen bevor sie einen Onlineshop bemühen, denen die Möglichkeit Rücklagen zu bilden einfach nicht gegeben ist.
Sollen diese deshalb ihr Geschäft aufgeben wo es sie doch all die Jahre dennoch gut ernährt?
Ich glaube du unterschätzt da gewaltig wie viele Selbstständige von ihrem Einkommen schlicht leben, nicht mehr und nicht weniger, teils auch weil es alternativlos ist.
Ich könnte als Angestellter irgendwo vermutlich ein deutlich entspannteres Arbeitsleben genießen, ohne Sorgen, Ängste und Nöte wie es wohl weiter geht, aber ich bin auf dem Arbeitsmarkt bereits kaum noch vermittelbar, von daher zeihe ich das so lange durch wie es sich rechnet, auch ohne Rücklagen.
So....das mußte ICH jetzt mal loswerden.